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Endometriose: Wenn Schmerzen endlich ernst genommen werden

Rund 45 Gäste informierten sich in Lübbenau über die chronische Erkrankung und neue Wege in der Versorgung

Frau meschner auf dem Podium mit einer Präsentation

Frau Prof. Mechsner © Ralf Schuster

Das Organisationsteam vor dem Gleis 3

Das Organisationsteam v.l.n.r.: Andrea Trunev, Dominique Franke-Sakuth, Michael Hensel, Nicole Wolksi, Rebecca Hohnhaus, Sylvia Mechsner, Anne Hofmann, Sabrina Glagau © Ralf Schuster

Starke Schmerzen, jahrelange Ungewissheit und häufig das Gefühl, mit den eigenen Beschwerden nicht ernst genommen zu werden: Für viele Frauen ist der Weg bis zur Diagnose Endometriose lang und belastend. Rund 45 Gäste folgten am 7. September der Einladung der Präsenzstelle Finsterwalde ins Kulturzentrum GLEIS 3, um sich über die Erkrankung zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung fand im Rahmen des vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) Wissenschaftsjahres „Medizin der Zukunft“ statt, in welchem auf Frauengesundheit ein besonderer Fokus gesetzt wurde.

Den Einstieg in das Thema bot der Vortrag von Prof. Dr. med. Sylvia Mechsner, Leiterin des Endometriosezentrums der Charité Berlin. Anhand von OP-Aufnahmen erläuterte sie, welche unterschiedlichen Formen Endometriose annehmen kann, weshalb die Erkrankung so schmerzhaft ist und klärte über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten auf. Zugleich richtete Prof. Mechsner den Blick auf die gesellschaftspolitische Dimension des Themas. Sie machte deutlich, dass Frauengesundheit aufgrund geschlechtlicher Ungleichheiten über lange Zeit nicht die Aufmerksamkeit erhielt, die sie verdient hätte. 

Einen Einblick in die regionale Versorgung in der Lausitz gab Dr. med. Sabrina Glagau, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Medizinischen Zentrum Lübbenau. Anhand ausgewählter Fälle aus ihrer Praxis zeigte sie, wie unterschiedlich Endometriose verlaufen kann und wie langwierig Behandlungen teilweise sind, aber auch, dass Therapien durchaus erfolgreich sein können.

Eine besondere Bereicherung war auch Lena Hofmann, die erste Endometriose-Nurse Deutschlands. Das an der Charité entwickelte und hierzulande bislang einmalige Konzept ergänzt die ärztliche Behandlung um individuelle Beratung und Begleitung. Frau Hofmann gab Einblicke in ihre Arbeit und machte deutlich, wie wichtig es ist, sich ausreichend Zeit für die Patientinnen und ihre Fragen zu nehmen und Betroffene dabei zu begleiten, mit der Erkrankung und ihren Auswirkungen auf den Alltag umzugehen. 

Andrea Trunev, Geschäftsführerin des Medizinischen Zentrums Lübbenau, moderierte den Abend und führte mit gezielten Fragen durch das Gespräch. Dabei brachte sie medizinische Erkenntnisse, Erfahrungen aus der Praxis und die Perspektiven der Betroffenen miteinander ins Gespräch.

Im anschließenden Austausch wurde deutlich, wie groß der Gesprächsbedarf ist. Das Angebot, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen zu teilen, wurde von den Gästen rege genutzt. Mehrere Betroffene berichteten von ihren persönlichen Leidenswegen. Die Schilderungen waren emotional und machten zugleich deutlich, wie wichtig Aufklärung und ein offener Umgang mit Endometriose sind. Auch einige Männer waren der Einladung gefolgt und zeigten Interesse daran, wie sie Betroffene in ihrem persönlichen Umfeld unterstützen können.

Informationsmaterial der Endometriose-Vereinigung Deutschland gab den Gästen die Möglichkeit, sich auch über den Abend hinaus weiter mit dem Thema zu beschäftigen.

Mit der Veranstaltung hat die Präsenzstelle Finsterwalde Endometriose aus der Tabuzone geholt und ein Ort für Wissenschaft und Dialog im ländlichen Raum geschaffen. Der Abend hat gezeigt, wie wichtig es ist, über die Erkrankung aufzuklären, Betroffenen zuzuhören und Frauengesundheit stärker in den Mittelpunkt der Medizin zu rücken. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es neben mehr Aufmerksamkeit und Wissen auch konkrete Verbesserungen in der Versorgung braucht – insbesondere niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote sowie eine gute regionale Vernetzung, damit Betroffene auf ihrem oft langen Weg nicht allein bleiben. 

Rebecca Hohnhaus
BTU Cottbus-Senftenberg
Veranstalter
Präsenzstelle Finsterwalde
Veranstaltungsort
Lübbenau