Voller Saal bei der inklusiven Filmvorführung „LUISA“ in Senftenberg
© Maik Pursch
© Maik Pursch
Die Veranstaltung hat die Präsenzstelle Finsterwalde gemeinsam mit der Caritas Senftenberg organisiert. Da die Senftenberger Caritas als Kooperationspartner und Multiplikator sehr gut mit anderen sozialen Trägern und politischen Entscheidern vernetzt ist, konnten viele Menschen mit Beeinträchtigung aus Einrichtungen nicht nur der Caritas, sondern auch der Diakonie, der AWO - aus der ambulanten und stationären Betreuung - sowie aus den Werkstätten der Region erreicht werden.
Der Film erzählt die Geschichte der 22-jährigen Luisa, die in einer Wohneinrichtung lebt und dort sexuelle Gewalt erlebt. Er zeigt, wie schwer es sein kann, über solche Erfahrungen zu sprechen, und wie wichtig es ist, dass Betroffene selbst entscheiden können, wann und wie sie ihre Geschichte erzählen.
Nach einer kurzen Pause mit Essen und Getränken sammelte Kathrin Coobs, akademische Mitarbeiterin am Fachgebiet Soziale Dienstleistungen für strukturschwache Regionen der BTU Cottbus-Senftenberg, erste Eindrücke aus dem Publikum. Einige Gäste äußerten sich, dass der Film emotional nahe gehe. Solche Taten dürften auf keinen Fall passieren, lauteten die Rückmeldungen. Auch einige Trägereinrichtungen äußerten sich konkret mit Hinweisen, wie bei ihnen versucht wird, die Menschen vor Gewalt systematisch zu schützen.
Anschließend ordnete Kathrin Coobs, die nicht nur akademische Mitarbeiterin, sondern auch als Sozialarbeiterin tätig ist, den Film anhand einer der wenigen vorhandenen Studien zum Thema Gewalt in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung ein. Gemeinsam mit den Menschen mit Beeinträchtigung, Vertreter:innen der sozialen Träger des Landkreises OSL und der WBS wurde darüber diskutiert, welche Präventionsmaßnahmen und Schutzstrukturen bereits bestehen und wo weiterer Handlungsbedarf liegt.
Dabei wurde besonders deutlich, wie dünn die wissenschaftliche Studienlage zum Thema sexuelle Gewalt gegen Menschen mit Behinderung in Einrichtungen bislang ist. Um Schutzkonzepte wirksam weiterzuentwickeln und die Situation der Betroffenen besser zu verstehen, braucht es dringend mehr Forschung. Kathrin Coobs wird sich diesem wichtigen Thema in ihrer Forschung annehmen und auch die sozialen Träger haben die Gelegenheit genutzt, um über die Organisation eines gemeinsamen Fachtages zum Thema nachzudenken.